Stand 15.02.2017

Der erste Goetheanum-Bau (1913 - 1923)

Der erste Goetheanum-Bau als Gesamtkunstwerk

In dieser Hinführung habe ich den Versuch gemacht, die Künste im Goetheanum-Bau in ihrem Zusammenhang mit den Wesensgliedern des Menschen zu beschreiben. Dazu veranlasste mich der Wunsch, in nachfolgenden Generationen die Urprungsimpulse des anthroposophischen Kunstschaffens nahe zu bringen.

Einleitung

Vor etwa hundert Jahren, am 20. September 1913 wurde in Dornach der Grundstein zum Ersten Goetheanum-Bau gelegt. Da er in der Silvesternacht 1922/23 durch Feuer zerstört wurde, bleiben uns Nachgeborenen zu seinem Studium nur die zahlreichen Fotos, Pläne der Architekten, Modelle Rudolf Steiners, Nachbildungen von Teilen oder sogar der verkleinerte Nachbau dieses Kunstwerkes. Hinzu kommen die zahlreichen Berichte von Zeitzeugen und die Vorträge Rudolf Steiners, in denen er über diesen Bau spricht.

Welche Bedeutung hat dieser Bau für die anthroposophische Bewegung in der Vergan-genheit gehabt? und: Gibt es eine fortdauernde Impulsierung durch ihn weit in die Zukunft hinein? Ist das Erste Goetheanum in erster Linie ein historisches Phänomen, das aus seiner Zeit verstanden werden muss, oder ist es von grundsätzlicher Bedeutung für die Aufgaben der Anthroposophie und ihres Wirkens?

Vielfach stehen bei der Beschäftigung mit dem Goetheanum kunsthistorische Betrachtungen im Vordergrund. Mit Recht kann man auf die historischen Gegebenheiten in der Zeit seines Entstehens hinweisen: Es gab eine Aufbruchsstimmung in der Jugendbewegung, die nicht zuletzt zur Herausbildung des plastisch bewegten Jugendstils führte. Jugendstilbauten mit ihren lebendig gestalteten Formen entstanden an vielen Stellen in Europa. Die Bauten um den Wasserturm in Mannheim, die Mathildenhöhe in Darmstadt, aber auch die Bauten von Gaudi in Spanien zeigen ein kunsthistorisches Umfeld, dessen Verwandtschaft zum Ersten Goetheanum-Bau unverkennbar ist.

Handelt es sich also um ein Werk, das durch seine kunsthistorische Verortung abschlie-ßend beschrieben werden kann? Oder gibt es Betrachtungsebenen, durch welche nicht aus-geschöpfte, zukunftsweisende künstlerische Impulse erfahrbar werden?

Es ist darauf hingewiesen worden, wie Rudolf Steiner schon vor der Zerstörung des Goe-theanum-Baues – zum Beispiel im Anbau der sog. Rudolf Steiner-Halde – neue Stilelemente entwickelte, welche bauplastisch an den Zweiten Goetheanum-Bau erinnern. Dies kann so interpretiert werden, dass Rudolf Steiners künstlerisches Schaffen nicht bei einem einmal ausgebildeten Stil stehenblieb, sondern ihn umwandelte und fortentwickelte. Daraus ent-steht dann der häufig gehörte Ausspruch: Heute würde Rudolf Steiner ganz anders bauen – wobei im Untergrund häufig die Meinung mitschwingt, er würde wie ein heutiger moderner Architekt bauen – oder wie sonst?

Wer wenigstens in Ausschnitten die Bauten zeitgenössischer anthroposophischer Archi-tekten in ihrem Ringen um einen „organischen“ Baustil kennt, weiß, wie offen die Frage nach einer Weiterentwicklung des Steinerschen Stils ist, und dass eine künstlerische Beurteilung sich immer nur aus dem Kunstwerk selbst, nicht durch Rückgriffe oder „Zitate“ auf Vergangenes gewinnen lässt.-

Diesem Bau als Gesamtkunstwerk kann man sich unter zahlreichen Aspekten nähern. Wir wollen vier Stufen herausgreifen: die Architektur mit ihrer räumlich-mathematischen Struk-tur; dann wollen wir ihn unter plastischen Gesichtspunkten betrachten; eine dritte Stufe wird den Bau uns durch seine Farbigkeit erleben lassen, und auf der letzten Stufe soll über ihn als Haus des Wortes, der Musik und Eurythmie, also als Haus des Klanges betrachtet werden.

Bevor ich versuchen will, in dem nachfolgenden Essay diese Gesichtspunkte wenigstens in Ansätzen für den Ersten Goetheanum-Bau zu entwickeln, soll von seinem Zustandekommen und dann vom ersten Eindruck eines jungen Besuchers geschildert werden.

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